Es gibt wahrscheinlich keine andere Branche, in der so viele Besserwisser und Angeber unterwegs sind, wie im Online-Marketing. Da weiß jeder wie man innerhalb weniger Tage auf Seite eins bei Google rankt, wie man Opt-in-Raten von 80 Prozent erhält oder wie man innerhalb von 14 Tagen reich wird.
Die Wahrheit sieht aber natürlich ganz anders aus! Die meisten verbreiten Halbwissen, das sie in zwielichtigen Internetforen aufschnappt und nie selbst getestet haben. Gerade für Einzelunternehmer, die ihr privates Vermögen investieren, kann dies jedoch fatale Folgen haben. Aus diesem Grund möchte ich die 9 häufigsten Mythen über Online-Marketing an dieser Stelle einmal genauer betrachten:
Mythos 1: E-Mail-Marketing ist Out
Keiner kann sie mehr sehen, diese nervigen Werbenewsletter im E-Mail-Postfach, und so landen fast 70% davon landen ungeöffnet im Papierkorb. Das verleitet so manchen zu sagen, dass E-Mail-Marketing tot sei. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass E-Mail-Marketing nach wie vor der effizienteste Marketing-Kanal ist. Das Geheimnis besteht darin, über E-Mails Vertrauen zu Interessenten aufzubauen und sich selbst als Experten auf diesem Gebiet zu positionieren. Content-Marketing ist das Schlüsselwort. Nur wer regelmäßig relevante Inhalte mit wertvollen Informationen versendet, kann sich über gute Öffnungsraten freuen.
Mythos 2: Es gibt den perfekten Zeitpunkt, um Newsletter zu verschicken
„Auf keinen Fall am Wochenende versenden, sondern am besten am Dienstag um 11 Uhr.“ Solche Ratschläge liest man immer wieder. Leider gibt es jedoch keinen magischen Zeitpunkt, an dem Ihre E-Mails von allen Empfängern sofort geöffnet und aufmerksam gelesen werden. Was aber hilft: seine Abonnenten so gut wie möglich zu kennen, indem man ihr Verhalten regelmäßig analysiert. So kann es sein, dass es für ein bestimmtes Segment Ihrer Liste tatsächlich einen „perfekten“ Zeitpunkt gibt, um E-Mails zu versenden. Bewaffnet mit mit diesem Wissen können Sie Ihre Sendungen entsprechend planen und testen, ob sich die Öffnungsrate dadurch erhöht.
Mythos 3: Je größer die E-Mail-Liste, desto größer der Umsatz
Das stimmt nur teilweise. Natürlich sollte das Ziel sein, dass die Liste immer größer wird, was jedoch wirklich zählt, ist die Qualität der Liste. Die Zeiten, in denen es Sinn machte, E-Mailadressen zu kaufen und auf Masse zu versenden, sind lange vorbei. Um in der Flut von spammigen Werbemails nicht unterzugehen, ist es daher unumgänglich, den Empfängern extrem guten Inhalt zu liefern. Nur wenn sie wissen, dass es sich für sie lohnt, Ihre E-Mails zu öffnen, werden Sie es auch langfristig tun.
Mythos 4: Im B2B-Bereich kann ich E-Mails ohne Einwilligung des Empfängers versenden
Diese Behauptung hält sich hartnäckig, ist jedoch falsch. Auch wenn ich meine E-Mails nur an Firmen verschicke, benötige ich die Einwilligung des Empfängers. Nach Ansicht des Landgericht Münchens verfällt die Einwilligungserklärung übrigens nach 1,5 Jahren, weil der Zeitraum zwischen der Einwilligung und der Versendung dann zu lange ist.
Mythos 5: Double-Opt-in-Verfahren ist Pflicht
Das Double-Opt-In-Verfahren ist in Deutschland nicht verpflichtend. Es ist allerdings die einzige Möglichkeit, im Zweifelsfall nachzuweisen, dass sich jemand selbst in Ihre E-Mail-Liste eingetragen hat und dies nicht – ohne dessen Einwilligung – durch einen Dritten geschehen ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte es also immer anwenden, auch wenn dadurch der ein oder andere Interessent wieder abspringt.
Mythos 6: Ein dedizierter E-Mailserver ist die Lösung aller Probleme
Haben Sie keinen eigenen Mailserver, kann es sein, dass Sie sich einen mit einem Spammer teilen und das hat dann auch negativen Einfluss auf Ihre eigene Zustellrate. Eine eigene IP-Adresse scheint hier die perfekte Lösung! Es gibt jedoch E-Mail-Provider, die Newletter von E-Mail-Servern vollkommen ohne Reputation, noch schlechter einstufen. Das Beste ist es deswegen, Ihre IP nach und nach „aufzuwärmen“ bis die Provider wissen, dass Sie guten, vertrauenswürdigen Content verschicken.
Mythos 7: E-Mails müssen Html enthalten
Natürlich sind schön gestaltete E-Mails etwas Tolles. Bei Hunderten von E-Mail-Providern besteht jedoch stets die Gefahr, dass das Html „zerschossen“ wird. Eine reine Text-E-Mail ist weitaus weniger fehleranfällig und sieht erstmal auch persönlicher aus, als wenn sie sehr viele Bilder etc. enthält.
Mythos 8: Zustellrate ist dasselbe wie die Posteingangsrate
Dies ist möglicherweise eines der größten Missverständnisse im E-Mail-Marketing. Eine „zugestellte“ E-Mail bedeutet, dass die E-Mail vom E-Mail-Provider akzeptiert wurde. Das ist natürlich gut, weil Sie dann wissen, dass Sie nicht blockiert wurden. Leider bedeutet dies aber nicht, dass die Nachricht im Posteingang gelandet ist, sie kann auch im Spam-Ordner sein.
Mythos 9: E-Mail-Marketing funktioniert nur in bestimmten Branchen
Natürlich ist E-Mail-Marketing gerade aus der E-Commerce-Branche nicht mehr wegzudenken, die besonders abhängig von diesem Marketing-Kanal ist. Das soll aber nicht heißen, dass andere Branchen E-Mail nicht als Kommunikationskanal für ihre Kunden nutzen sollten. E-Mail-Marketing ist immer noch der beste Weg, um Kunden zu erreichen und Vertrauen aufzubauen. Darüber hinaus liefert es Einblicke, die andere Kanäle nicht können. Egal in welcher Branche Sie sich befinden, E-Mail ist eine tolles Werkzeug, das Sie definitiv nutzen sollten.